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„Das Programm allein wird die Region nicht retten“
Nordkurier

vom : 07.02.2008

ANALYSE Der Wissenschaftler Peter Dehne
empfiehlt eine nachhaltige Verwendung von
Förder-Milliarden.
VON JÖRG SPREEMANN

NEUBRANDENBURG. Angesichts bereitstehender 1,5 Milliarden Euro klingt Peter Dehnes These provokant. „Das ELER-Programm allein wird die Region nicht retten", sagt der Professor der Neubrandenburger Hochschule. Bis zum Jahr 2013 reicht das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns, dessen Förderrichtlinien Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin vorgestellt hat. Wissenschaftler Dehne beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Regionalplanung im Nordosten. Sein Fazit: „Geld wird verschwendet, wenn es nicht gelingt, Eigenkräfte zu mobilisieren." Viele Mittel, so seine Ansicht, sollten in die Köpfe investiert werden. Gerade strukturschwache Regionen müssten lernen, sich selbst zu organisieren, fordert er.

„Weniger Straßenbau, dafür mehr Investitionen in den sozialen Zusammenhalt auf dem Land", schlägt Dehne vor. Jetzt müsse das neue Entwicklungsprogramm mit Leben erfüllt werden. Dessen

Schwerpunkte wie Stärkung der Agrarbetriebe, Erhalt des kulturellen Erbes sowie höhere Lebensqualität in Dörfern und Kleinstädten hält er für geeignet, der Abwanderung aus ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Doch alles nutze wenig ohne Einbindung in eine Gesamtstrategie, mahnt der Wissenschaftler. Die Zukunft ländlicher Räume hänge zum Beispiel auch von Wirtschaft und Tourismus ab.

Arbeitsplätze, gute Bildungschancen, aktive Zivilgesellschaft - so lautet Dehnes Vorstellung von intakten Dörfern und Regionen.

Gute Beispiel dafür gebe es schon heute. Dehne hofft, dass deren Zahl auf der Grundlage des Entwicklungsprogramms steigt. Allerdings fürchtet er, dass dessen 17 Förderrichtlinien und 40 Maßnahmenpakete von der Menge „manches nicht einfacher machen".

Dehne warnt vor regionalen Egoismen. „Was nützt es, wenn in einem kleinen Gebiet Radwege gut ausgeschildert sind, im weiteren Umkreis aber die Hinweise fehlen? Oder wenn eine Schule saniert wird und bald darauf wegen Schülermangels geschlossen werden muss?", fragt er. Er plädiert dafür, über Ämter- und Kreisgrenzen hinweg zu denken, um die Förder-Milliarden nachhaltig einzusetzen. Das müsse auch ohne die geplante Kreisreform machbar sein.

Trotz aller Bemühungen um die ländlichen Räume: Dehne rechnet damit, dass Mecklenburg-Vorpommern in einigen Jahren mehr „Löcher" angesichts leer gezogener Dörfer aufweisen wird. „Das erleben wir schon heute durch den Wegzug Älterer in Kleinstädte sowie Abwanderung in andere Bundesländer", stellt er fest. Viel hänge auch vom Image der Regionen ab. Auf keinen Fall dürfe man als Verlierer wahrgenommen werden.
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