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Boek als Heimat der Herzen
Müritz Zeitung

vom : 07.03.2008

AUSSTELLUNG Eine Schriftstellerin von europäischem Rang und mit Boeker Wurzeln sollauch im Müritzkreis bekannter werden. Eine Ausstellung ist geplant.

VON PETRA KONERMANN

BOEK/RECHLIN. Gertrud von le Fort bezeichnete Boek und Mecklenburg als ihre eigentliche Heimat. Doch dort ist sie bislang nur „Hingeweihten" und vielleicht noch einigen Boekern bekannt. Das soll sich B aber demnächst ändern. Um die Schriftstellerin von europäischem Rang auch in ihrer „Herzensheimat" bekannter . zu machen - und möglicherweise zum Lesen des umfangreichen Werkes zu animieren -, wird an der Umsetzung einer Ausstellung zu Gertrud von le Fort gearbeitet. An einem Strang ziehen dabei die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft Würzburg e.V., der Förderverein der Kirche Rechlin Nord e. V. und der Förderverein St. Johanniskirche Boek e. V.. Unterstützung bekommen sie dabei von der Wirtschaftsförderung Müritz (wfm), über die demnächst Fördermöglichkeiten „abgeklopft" werden sollen.

Zwar können Literatur-Interessierte sich schon jetzt im Boeker Gutshaus, dem einstigen Zuhause von Gertrud von le Fort, über Leben und Werk der ungewöhnlichen Frau informieren. Doch den Boekern und Rechlinern reicht das nicht aus. Erst mit der Klärung der Eigentumsfragen hinsichtlich des Boeker Gutshauses ist nun denkbar, dort eine umfassendere Schau zu entwickeln.

Darüber freut sich auch Dr. Antje Kleinewefers, Präsidentin der Gertrud-von-le-Fort-Gesell-schaft Würzburg e.V. „Selbst im hohen Alter hat Gertrud von le Fort Boek als ihre eigentliche Heimat beschrieben. Und auch in ihrem Werk ist erkennbar, welche Bedeutung die wunderbare Natur und die Müritz mit dem Boeker Strand für sie gehabt haben", weiß Antje Kleinewefers. In ihren Lebenserinnerungen hat die Schriftstellerin selbst auf die enge Verbindung nach Mecklenburg hingewiesen. Aber auch in ihrem schriftstellerischen Werk wurden die Erinnerungen an Boek literarisch verarbeitet, erzählt die Präsidentin der Ger-trud-von-le-Fort-Gesellschaft.



An Themen und Material für die noch zu konzipierende Ausstellung fehlt es nicht, denn seit dem Mittelalter ist die Familie von le Fort in Europa ansässig, seit dem 19. Jahrhundert dann auch in Boek. Der Vater von Gertrud von le Fort war Offizier und erwarb 1842 das Gut Boek als Majorat. Ein Großonkel lebte dort mit seinen zwei Söhnen - diese waren unverheiratet und ohne Kinder -, und Gertrud von le Fort verbrachte als Kind oft ihre Ferien in Boek. Zum Beispiel in der Erzählung „Das fremde Kind" finden sich literarische Erinnerungen an Boek -an die Kastanienallee, die zum Müritzstrand hinunter führt, berichtet Antje Kleinewefers. Der Bruder Gertruds von le Fort erbte von den alten Herren das Gut Boek, seine Schwester war dann eine Zeit lang Verwalterin des Gutes, weil der Bruder als Offizier seinen Dienst leisten musste.

Während des Ersten Weltkrieges, so berichtet Antje Kleinewefers, wohnte sie gemeinsam mit Mutter und Schwester in Boek bis 1920 das Gut enteignet wurde. Die Familien siedelte nach Privitz um, dort wurde bei einem Brand das gesamte Familienarchiv vernichtet. „Das ist natürlich sehr schade, denn nicht nur aus der Mecklenburgischen Natur und Landschaft hat Gertrud von le Fort geschöpft, sondern auch aus diesem Familienarchiv", weiß Antje Kleinewefers.

Zum Beispiel habe es Briefe von Familienangehörigen gegeben, die um die Zeit der Französischen Revolution am Hofe Ludwigs des XVI. waren und darin das dortige Leben schilderten. Gertrud von le Fort wurde zur Novelle „Die Letzte am Schafott" inspiriert, berichtet die Präsidentin der Gertrud-von-le-Fort Gesellschaft. Dass die Schriftstellerin nun im Müritzkreis eine eigene umfassende Ausstellung bekommen soll, das freut sie sehr. „Ich hoffe, dass das Werk von Gertrud von le Fort dann auch mehr Leser erfahrt", meint Antje Kleinewerfers. Weil sie weiß, dass Bücher der Schriftstellerin aber heutzutage schwer zu bekommen sind, hat sie selbst dafür gesorgt, dass zumindest in der Warener Stadtbibliothek Von-le-Fort-Werke zu bekommen sind.

Die Begeisterung für das Schaffen der Schriftstellerin wird unter anderem auch vom Rechliner Olaf Bauer geteilt. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Kirche Rechlin Nord und zählt zu den Initiatoren der neuen Ausstellung. „Wir haben erkannt, dass diese Frau eine Schriftstellerin von Rang ist, und ich finde es gehört dazu, dass wir auch solche Persönlichkeiten mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Zumal sie heimatverbunden war", findet Bauer.

Ziel der Ausstellung soll es sein, nicht nur die Verbindungen zu Boek zu dokumentieren, sondern auch die Werte hervorzuheben, die für Gertrud von le Fort Zeit ihres Lebens wichtig waren: Sie war, so betont Antje Kleinewefers, eine „Dichterin des Glaubens und der Liebe". Mecklenburg zum Beispiel war für Gertrud von le Fort nicht rückständig, sondern barg Zukunft in sich: „Alles, was reifen soll, braucht langes Ruhen. Alles, was nach Tiefe drängt, braucht Behütung eines gütigen Abseits", schrieb sie einst über die Heimat ihres Herzens.
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