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Von Petra Konermann
Boek. Der Hecht kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder muss er Nahrung schlucken, immer wieder soll er sie wieder ausspucken. Das aber klappt nicht. Wieso auch? Zum einen handelt es sich um ein hölzernes Modell, und die „Nahrung“ wird durch ein Seil dargestellt – im Maul geht’s hinein, hinten wieder heraus. Auf der anderen Seite kann ein „echter“ Hecht im Wasser seine Nahrung wirklich nicht ausspucken: Seine speziell geformten Zähne machen das unmöglich. Und genau das demonstriert der naturgetreu nachgeschnitzte Hecht auf ebenso einfache wie einprägsame Weise. So sehr man auch versucht, die Nahrung (das Seil) herauszuziehen, es funktioniert nicht. Spaß und Lernen gehen hier Hand in Hand.
Schnell wird deutlich, dass die Macher der neuen Ausstellung „Die Fischer von Boek“ – Barbara Lüthi-Herrmann vom Müritz-Nationalparkamt und der Neustrelitzer Holzgestalter Martin Herrmann – neue Wege beschritten haben, um Menschen, die blind oder auch sehschwach sind, den Nationalpark dennoch vor Augen zu führen. Anfassen ist in diesem speziell gestalteten Raum ausdrücklich erwünscht. Und so kann sich der Besucher auf eine ganz besondere Reise ins Reich der Natur begeben. Wie spitz ist der Schnabel eines Eisvogels? Wie fühlt sich das Schuppenkleid eines Fisches an? Wie viele Haare befinden sich im Fell eines Fischotters und wie fühlt es sich an, wenn es 200fach vergrößert wurde?
Um die Welt der „Fischer von Boek“ erlebbar zu machen – die des Menschen als Fischer und die der Fischadler –, sind Barbara Lüthi-Herrmann und Martin Herrmann ganz neue Wege gegangen. Nicht vorgefertigte Modelle sollten in der Ausstellung gezeigt werden, sondern sie haben neue Ideen entwickelt und umgesetzt. „Das war eine spannende Aufgabe, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Und bei der Beschäftigung mit der Frage, wie kann man Menschen, die nicht sehen können, die Natur nahe bringen, ändert sich auch der eigene Blickwinkel“, erzählt die Nationalparkamtsmitarbeiterin. Sie weist auf ein Signet hin, das jedem Objekt an der rechten Seite zugeordnet ist. Ein rotes Ohr, das man auch ertasten kann, ist das Zeichen dafür, dass hier der Audio-Guide zum Einsatz kommen kann. Die Informationen, die zu den einzelnen Ausstellungsstücken auch zu lesen sind, können über einen Kopfhörer abgehört werden. Neueste Technik wurde dabei verwendet: Es reicht schon, mit dem tragbaren Audio-Guide in die Nähe des roten Ohres zu kommen, und ein Signal startet die entsprechende Information im Kopfhörer automatisch. Dass das Gutshaus Boek auch für Rollstuhlfahrer erreichbar ist und sämtliche Tische in der Ausstellung unterfahrbar sind, ist ein weiteres Zeichen für die gute Umsetzung der Idee, den Nationalpark Menschen mit Handicaps nahe zu bringen.
Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (CDU) ist an diesem Tag stolz auf das, was er den Gästen bei der Einweihung der Infostelle präsentieren kann. Mit Mitteln der Gemeinde, aus EU-Fördermitteln und vom Müritz-Nationalparkamt sei mit einer Investition von rund 80 000 Euro etwas Besonderes entstanden, das es auch Menschen mit Behinderungen erlaube, an den Naturschönheiten gerade hier rings um Boek teilzuhaben. „Das ist selbstverständliche Mitmenschlichkeit“, findet Ringguth. Dabei denkt der Rechliner Bürgermeister nicht nur an Menschen mit Behinderungen, sondern vor allem auch an eine Gesellschaft, die immer älter wird. Die neue Ausstellung in Boek stelle also nur einen kleinen Schritt hin zur Entwicklung des Gutshauses Boek dar. |