LEADER - Pressemitteilungen

Gutsdorf-Urlaub soll zur eigenen Marke werden
Neues Projekt vom Müritzufer in Berlin
Nordkurier

vom : 06.03.2003

Ludorf "Eigentlich", sagt Manfred Achtenhagen. "kommt die Internationale Tourismusbörse für uns ein wenig zu früh: Das Produkt nämlich, welches der Geschäftsmann aus dem mecklenburgischen Ludorf - das liegt unweit von Röbel in unmittelbarer Nähe der Müritz, - morgen auf die weltgrößte Tourismusmesse nach Berlin bringt, ist noch jung. So jung. dass sich dessen geistiger „Vater“ gewünscht hatte, die ITB würde erst in ein paar Monaten ihre Tore öffnen.

Andererseits ist Achtenhagen ein Macher und in Sachen Marketing weiß Gott kein heutiger Hase. „Urlaub im Gutsdorf“ - unter diesem Motto wird der Verein „Historisches Gutsensemble Ludorf“ morgen in der Halle 10.2 seinen Messestand öffnen in der Hoffnung, dass eines der wichtigsten Pilotprojekte Mecklenburg-Vorpommerns zur touristischen Entwicklung des ländlichen Raums auf ein möglichst breites Interesse stößt.


Unter den Möglichkeiten

"An der Ostsee boomt der Tourismus, an der Seenplatte bis hinein ins Brandenburgische ist die Situation so schlecht auch nicht. Aber die durch ihre geschichtliche Entwicklung ohnehin benachteiligten Gutsdörfer partizipieren von diesem Urlauberstrom nicht im möglichen Maße", macht Achtenhagen sein Anliegen deutlich. Diese Dörfer seien aber prägend für die ostelbischen Gebiete. Wer das versuche, „Urlaub auf dem Bauernhof zu verkaufen der spiele zumeist mit gezinkten Karten. Warum? In Mecklenburg, in Vorpommcrn, auch in weiten Teilen Brandenburgs sind richtige Bauernhöfe eher die Ausnahme.

Nicht so die Gutsdörfer. Davon findet sich alle paar Kilometer eines - zusammen gehören diese Anwesen zu den Einmaligkeiten, die den Nordosten vom Rest der Republik unterscheiden. Und zwar so sehr, dass Manfred Achtenhagen meint, mit diesem Pfund auf der ITB wuchern zu können. "Natürlich können wir noch keinen Prospekt mit Dutzenden von Adressen auf den Tisch legen" schränkt der Ludorfer seine momentanen Möglichkeiten ein. Aber wir wollen auf der Messe auf uns aufmerksam machen, wollen unsere Fühler ausstrecken, um möglichst viele Gleichgesinnte unter unserem Label zusammenführen zu können." Die grundlegende Idee der Aktion "Urlaub im Gutsdorf" sei die Bündelung unter einem Dach. das es so deutschland- und europaweit nicht gebe. "Die Gutsdörfer mit ihren Herrenhäusern und Parks, mit Ställen und Scheunen und mit ihren Patronatskirchen rufen geradezu nach einer besseren touristischen Vermarktung", sagt Achtenhagen, der in Ludorf selbst in einem liebevoll restaurierten Gutshaus ein Hotel betreibt. Vielfach gebe es bereits öffentliche Nutzungen. Nur habe er häufig erleben müssen, wie sich die Betreiber dieser Häuser "quasi als Einzelkämpfer durchs Leben schlagen" würden - nicht immer mit Erfolg.

Sie alle möchte der Ludorfer Verein an einen Tisch holen. "Am Ende des Tages soll dabei so etwas wie eine praxisbewährte Handreichung herauskommen. ein Katalog gewissermaßen, der aufzeigt, wie ein Gutsdorf am besten genutzt werden kann." Natürlich verspricht sich Manfred Achtenhagen davon auch einen unternehmerischen Zugewinn. "Wer ein Guts- oder Herrenhaus touristisch nutzt, muss doch nicht davon ausgehen, dass sein Nachbar, der Ähnliches tut, sein erbitterter Konkurrent sei." Vielmehr komme es darauf an darauf an, die einzelnen Angebote zu vernetzen. Und weil man sich in einer Nische bewege, laufe man auch nicht Gefahr, den großen Hotelketten in die Quere zu kommen und auch nicht den regionalen Verbünden wie etwa dem Zusammenschluss der Schlosshotels. "Wir bringen ein Alleinstellungsmerkmal. das uns eigentlich zum Erfolg gereichen sollte", ist der Ideengeber vorsichtig optimistisch.


Viele Akteure gesucht

Wichtig für diesen Erfolg sei, dass sich möglichst viele Akteure zusammenfänden - von Dorf zu Dorf, aber auch in den Dörfern selbst. "Es erscheint problematisch, wenn sich einer emsig um einen historischen Dorfkern müht, der Rest aber diese Bemühungen ad absurdum führt." Letztlich heiße "Urlaub im Gutsdorf" auch, dass sich der Gast aussuchen könne, ob er im Hotel absteigen wolle oder in einer Ferienwohnung. Das neue Tourismusprojekt sei auch für jene gedacht. die sich vielleicht eine eigene Existenz in ihrem Dorf aufbauen wollen - mit Boots- oder Fahrradverleih, mit Kutschfahrten oder Ähnlichem. Das setze jedoch voraus, dass die Menschen in den Gutsdörfern die Chance erkennen.

In der Politik wurde diese Chance durchaus erkannt. Fördermittel flossen aus dem LEADER+-Programm der EU, das mecklenburg-vorpommersche Landwirtschaftsministerium sitzt mit im Boot wie auch der Landkreis Müritz. Alle drei Ebenen haben wenigstens zwei gemeinsame Interessen in dieser Sache. Zum einen geht es um die Entwicklung des ländlichen Raumes und damit auch um die Schaffung von Arbeitsplätzen. Zum anderen floss aus diesen drei Quellen häufig auch reichlich Geld für die Sanierung von Gutsanlagen ."Dieses Geld will man natürlich gut angelegt wissen", meint Manfred Achtenhagen. So gesehen sei eigentlich auch der "Urlaub im Gutsdorf" zum Erfolg verpflichtet, von Staats wegen gewissermaßen.
Tel.: 03 9931 8400
e-mail: info@gutshaus-ludorf.de


Hans-Joachim Guth
Nordkurier
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