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Auf der Spur des „weißen Goldes“ am Fleesensee
Projekt „Malchower Kreidebezirk“ vorgestellt
Müritz Zeitung

vom : 05.04.2003

Malchow-Land. Göhren-Lebbin hat nicht etwa auf Sand gebaut. Die Gemeinde ist gewissermaßen steinreich. Denn während der letzten Eiszeit brachten Gletscher „steinernes Reisegepäck“ mit, formten die Landschaft und ließen Kreide unter Göhren-Lebbin entstehen. Und nicht nur dort. Rund um den Fleesen- und Kölpinsee wurde das „weiße Gold‘ abgebaut und in zahlreichen Kalkbrennereien verarbeitet. Nun soll das geologische Naturerbe der Gegend abermals zu einigem Wohlstand verhelfen. Touristen sollen sich auf die „Spur der Steine“ begeben.


Rundkurs vorgesehen

Andreas Buddenbohm, Vorsitzender des Geowissenschaftlichen Vereins aus Neubrandenburg, stellte kürzlich das Projekt „Malchower Kreidebezirk“ im Amt Malchow-Land vor. Die Idee, diesen Teil des Müritzkreises in das Gesamtkonzept des Geoparks „Mecklenburgische Eiszeitlandschaft“ einzubeziehen, sei bereits vor einiger Zeit entstanden, sagte Buddenbohm. „Wenn jetzt die letzten Finanzierungshürden genommen sind, kann das Projekt konkrete Formen annehmen“, so der Geologe.

„Als erstens soll in Göhren-Lebbin ein Aktionszentrum entstehen“, erläuterte der Wissenschaftler. Dort könne man jüngste Erdgeschichte dann hautnah erleben. Neben der Erklärung, wie Kreide entstanden ist und welche Bedeutung sie einst als Baustoff hatte, sei der Aufbau einer alten Kalkbrennern möglich, sagte der Experte.

Kreide wurde bereits im Mittelalter in Form von Kalk zum Bauen benutzt. Zahlreiche Brennereien soll es im Malchower Raum gegeben haben. Als Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich neue Baumaterialien auf den Markt kamen, verlor Kalk an Bedeutung. Die Bauern nutzten ihn hier und da noch für die Düngung. Eine kurze Renaissance erfuhr Kalk aus Kreide nach dem zweiten Weltkrieg. Untergöhren und Nossentin sollen davon profitiert haben. Doch in den 50-er Jahren war endgültig Schluss. Und der Mantel der Vergessenheit breitete sich allmählich über diesen alten Industriezweig in der Region.

„Mit dem Vorführen von historischer Rohstoffgewinnung wird der ‚Malchower Kreidebezirk‘ ein neues Mosaiksteinchen in das Gesamtbild des Geoparkes einfügen“, ist sich Buddenbohm sicher. Waren mit Museum und Eiszeitlehrpfad sei bereits als weiteres Projekt aus dem Müritzkreis im „Geoboot“.

Für den „Malchower Kreidebezirk“ schwebt Buddenbohm ein Touristen- Rundkurs um beide Seen vor. Hier komme der Besucher am Großsteingrab bei Grabenitz vorbei, könne sich bei Nossentin ansehen, wie Kreide gewonnen wurde und wie in dem alten Gestein ökologische Nischen entstanden seien. „Doch auch vorhandene Tourismusprojekte wie der Sparower Teerschwelerofen oder das Damerower Wisentgehege lassen sich einbeziehen“, meinte Buddenbohm. Von Menschen aus Feldsteinen gebaute Kirchenmauern könnten auch dazu gehören. „Geotourismus ist mehr als Steine anschauen. Siedlungsgeschichte zählt ebenso dazu wie Landschaftsbesonderheiten“, stellte der Geologe klar. Sogar über den Einsatz der Kreide im Wellness- und Kurbereich in Malchow sei nachzudenken. „Was auf Rügen funktioniert, kann auch für Malchow lukrativ sein“, warb der Experte für die Vorteile des Projekts. Denn um es in solch einer Größenordnung umzusetzen, bedürfe es mehr Partner als nur die Gemeinde Göhren-Lebbin und das Land Fleesensee. Dass man dafür einen steinigen Weg wird gehen müssen, ist sich nicht nur Buddenbohm vom Neubrandenburger Geowissenschaftlichen Verein bewusst. Wohl auch deshalb hatten der Amtschef von Malchow-Land, Dieter Kurth, die Baumamtschefin von Malchow, Renee Schäfer, der Vorsitzende des Sparower Teerofenschwelervereins, Hartmut Grünklee sowie der Chef des Fördervereins Nossentiner Schwinzer Heide Dieter Mombour die Vorstellung des Projekt angeregt verfolgt. Sie wollen nun die Idee in die Breite tragen. „So etwas muss reifen“ sagte Dieter Kurth. Als erstes solle für das Aktionszentrum in Göhren-Lebbin die Finanzlücke von 1000 Euro mittels Sponsorengelder geschlossen werden. „Die Mittel von der EU, von Land und Kreis sind klar“, so Kurth. Buddenbohm seinerseits will die historischen Recherchen für die einzelner Standorte auf dem Rundkurs weiter vertiefen. Ein Kenner der Materie vor Ort, Dieter Mombour, bot ihm gleich seine Hilfe für die Spurensuche nach dem „weißen Stein“ an.

Lea Mock
Müritz Zeitung
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