|
Von Ulrike Schubel
Federow. Das Gotteshaus von Federow wird nun ab nächster Woche offiziell Deutschlands erste Hörspielkirche. Dass sie tatsächlich mit ihrem Konzept eine Premiere feiert, davon gehen jedenfalls der Pastor der Warener Kirchgemeinde St. Marien, Leif Rother, und der Potsdamer Architekt Jens Franke aus. Und hoffen, dass die Idee bundesweit Nachahmer findet.
Die beiden informierten gestern, dass die festliche Eröffnung am 5. August stattfindet und zwar mit einer Lesung der auch international bekannten Potsdamer Autorin Helga Schütz. Sie will ihr neuestes Buch „Knietief im Paradies“ vorstellen. Nicht ohne tieferen Sinn sei gerade diese Schriftstellerin nach Federow gebeten worden. Schließlich hat sie das Projekt „Hörspielkirche“ protegiert: Dank ihrer Hilfe konnte der „Audio“ Verlag mit ins Boot geholt werden, betonten Rother und Franke.
Mit dabei sind neben der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche und der Gemeinde Kargow auch NDR, DLR, ZDF, MDR, SWR, das Deutsche Rundfunkarchiv, der Landkreis Müritz, der Landkreis Mecklenburg-Strelitz, Leader, die Wirtschaftsfördergesellschaft und auch etliche Verlage, um hier im Nationalpark Kultur für Urlauber sowie Einheimische anzubieten. Jeweils von Freitag bis Sonntag können sie im Gotteshaus Hörspielen für Kinder und Erwachsene wie Charles Dickens „Oliver Twist“, Henning Mankells „Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson“ oder Maj Sjöwalls, Per Wahlöös „Alarm in Sköldgatan“ lauschen. Fünf Wochen lang soll die Testphase laut Jens Franke dauern. Gut fünfzig Besucher wünschen sich die Organisatoren pro Aufführung, die über ein CJD-Projekt betreut wird. Eintritt müssen die Zuhörer nicht zahlen, allerdings wird um Spenden gebeten. Bei Erfolg könnte die „Hörspielkirche“ im nächsten Jahr in der gesamten Tourismus-Hauptsaison und vor allem mit erweitertem Programm laufen.
Ideengeber für das Projekt in der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirche waren die Architekten Jens Franke und Albrecht von Kessel, die seit 2003 gemeinsam mit Pastor Leif Rother daran arbeiteten (der Nordkurier berichtete). Die Kirchgemeinde sieht darin auch die Chance, der sanierungsbedürftigen Kirche nach Jahren des Leerstandes wieder eine Aufgabe zu geben. „Es handelt sich um eine Nutzungserweiterung und keine Nutzungseinschränkung, auch nicht Entwidmung. Das war nicht geplant“, so Leif Rother. Das Gotteshaus bleibt weiterhin offen für religiöse Handlungen. Für das Gebäude selbst könnte das Konzept segensreich sein: Kommt genug Geld zusammen, dann soll es nach und nach für die Sanierung ausgegeben werden.
|