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LEADER - Pressemitteilungen
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Museum ohne Heldenverklärung
Müritz - Zeitung |
vom : 08.01.2006 |
BETRIEBSAMKEIT
Wenn das Luftfahrttechnische Museum in Rechlin am 1. Februar wieder öffnet, werden die Besucher einiges Neues zu sehen bekommen.
RECHLIN. Eigentlich ist das Luftfahrttechnische Museum in Rechlin zurzeit noch geschlossen. Trotzdem herrscht emsige Betriebsamkeit in einigen Hallen. „Schließlich wollen wir am 1. Februar mit zwei neu gestalteten Ausstellungen wieder öffnen", begründet dies Willy Standfuß vom Förderverein des Museums. Die drei Monate „Winterruhe" seien genutzt worden, um vorhandene Exponate zu sichten, teilweise aufzuarbeiten und neue in die Ausstellung zu integrieren.
Beim Rundgang über das Geländer ehemaligen „Erprobungsstelle der Luftwaffe" denkt Willy Standfuß noch einmal an die Anfänge des Museums zurück. „1998 . haben wir das erste Mal geöffnet", berichtet er. Dem war viel Engagement und ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder zweier Vereine vorausgegangen. Zum einen gibt es den Verein Luftfahrttechnisches Museum e.V. und dann den Förderverein, erklärt Willy Standfuß. Vor, deren Mitgliedern wurden und werden noch immer Spenden eingeworben; bei ehemaligen Mitarbeitern der Erprobungs-Stelle, deren Angehörigen, der Industrie und sonstigen Interessierten. Dadurch wurde es möglich, dass die Gemeinde Rechlin das Gelände kaufen und an den Förderverein verpachten konnte.
Aber das Museum beschränkt sich nicht auf die Luftfahrt. «Wir sind dabei, die gesamte Geschichte Rechlins aufzuarbeiten", betont Willy Standfuß. Die erste urkundliche Erwähnung fand übrigens am 24. August 1374 statt. Aber ganz schnell wird dem Betrachter historischer Dokumente klar, erst mit der Luftfahrt wurde Rechlin zu dem, was es heute ist. Eine Reihe von Siedlungen entstanden, in denen die Mitarbeiter der Erprobungs-Stelle wohnten. Die Firmen schickten ihre Spezialisten, erzählt Willy Standfuß. Und natürlich kam das Militär, denn die Erprobungs-Stelle sei ja schließlich für die Luftwaffe in Vorbereitung auf einen Angriffskrieg geschaffen worden. Der Rentner weiß, dass gerade dieses Kapitel deutscher Geschichte noch heute sehr verschieden interpretiert wird und stellt klar: „Bei uns im Museum gibt es keine~ Heldenverklärung, und der Stein gleich am Eingang trägt nicht von ungefähr die Inschrift ".Die Toten mahnen uns', das ist uns schon wichtig. "Sicher würde mancher kommen, der seine Zeit hier in Rechlin in ein freundliches Licht getaucht wissen möchte, aber der in Ausstellung finde dies nicht statt. In Rechlin seien Flugzeuge erprobt worden auf ihre Verwendung als Waffen, daran dürfe kein Zweifel bestehen, so Willy Standfuß.
Auch an den Einsatz von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und Häftlingen aus Konzentrationslagern wird im Museum erinnert.
Die Geschichte des Außenlagers Retzow des Konzentrationslagers Ravensbrück kann man außerdem in Broschüren nachlesen, die im Museumsshop angeboten werden. Nach vielen schriftlichen und Bilddokumenten geht es dann in die Technik-Halle. „Manche sagen, hier sei ein Haufen Schrott ausgestellt, aber wir erleben zum Beispiel bei Führungen mit Schulklassen, wie viel spannender es ist, ganz konkret zeigen zu können, wie so eine Radaufhängung funktionierte, oder dass die Propeller tatsächlich aus Holz waren", erklärt Willy Standfuß. Naja, und Techniker sähen noch in Trümmern von Flugzeugen Interessantes.
Neu gestaltet wurde die Ausstellung zu NVA und Sowjetarmee in Rechlin, die nach 1945 auf dem Gelände der ehemaligen Erprobungs-Stelle stationiert waren. Auch hier haben die Vereinsmitglieder jede Menge Material zusammentragen können. Neben Technik werden Alltagsgegenstände gezeigt. Andenken und so genannte Freundschaftsgeschenke sind ebenfalls zu sehen. An den Wänden hängen großformatige Bilder. „Die waren in den Häusern hier auf Tapeen gemalt, und so haben wir sie auch gesichert", erklärt Willy Standfuß.
In der nächsten Halle riecht es nach frischer Farbe. Hier wird das große Kapitel Schiffswerft Rechlin nun ein alleiniges Domizil finden. Eine Neuerwerbung steht schon für die Besucher bereit. Ein Motorboot aus dem Jahr 1962. Der Verein hat es bei Ebay ersteigert. Natürlich sind auch die späteren Rettungsboote zu sehen. Bis zum Aktionstag am 1. Juli anlässlich der zweiten Museumswoche im Müritzkreis soll das Passivmodel eines einstmals streng geheimen Projektes nachgebaut sein. „Objekt 131" wurde es genannt und war ein Torpedoschnellboot, das in Rechlin entwickelt und gebaut wurde. Wieder so ein Stück Geschichte, das die Vereinsmitglieder dem Vergessen entreißen wollen. „Wir sind froh, dass uns so viele dabei helfen, sei es durch Geldspenden oder durch interessante Exponate", sagt Willy Standfuß. Froh wären die Vereine, die zusammen etwa 60 Mitglieder haben, aber auch über personellen Zuwachs. „Uns fehlen die jungen meinte der 74-jährige Standfuß. Arbeitsgemeinschaften hätten nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Das bleibe eine große Aufgabe, sagt Willy Standfuß. Man habe schließlich noch eine ganze Menge vor.
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