Müritz-Wirtschaft aktuell 03/06
21.06.2006, Waren (Müritz)
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Müritz-Sail 2006 ist Geschichte. Trotz des nicht gerade einladenden Wetters haben geschätzte 45000 überwiegend zufriedene Besucher diesen vorsaisonalen Höhepunkt erlebt. Das zeigt, dass dieses Ereignis bereits allen widrigen Umständen zum Trotz einen festen Stellenwert in der Reihe der Saison verlängernden Maßnahmen hat und somit auf die ganze Region ausstrahlt. Insofern den Organisatoren und vor allem auch der einheimischen Wirtschaft Dank für die engagierte Vorbereitung und Durchführung eines solchen Großereignisses an der Müritz .Es fällt allerdings auch auf, dass es mehrheitlich die gleichen Betriebe sind, die sich hier aktiv einbringen. Hier dürfte eine der Reserven für alle Betriebe der Region liegen, sich in dieser oder jener Form zu beteiligen. Dies auch deshalb, weil es angesichts der drohenden Verwaltungsreform ab 2009 um so wichtiger wird, solche gestandenen Höhepunkte weiterzuentwickeln, die Synonym sind für die erfolgreiche Entwicklung unserer Müritzregion.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im April leicht gesunken. Der aktuelle Stand beträgt 47 318 bei einer Quote von 23,4 Prozent (Vormonat 24,7 %). Das sind immerhin 2500 Personen weniger als im März. Der Müritzkreis liegt mit 20,7% hinter Neubrandenburg (19,5) auf Platz 2 innerhalb des Arbeitsamtsbezirks. Mit 20,4 % erfasster Arbeitsloser liegt MV innerhalb Deutschlands auf dem letzten Platz hinter Sachsen-Anhalt mit 19,5%. Zum Vergleich: Baden-Würtemberg 6,9%, Bayern 7,5%, Deutschland gesamt 11,5%. Gunther Gerner von der Geschäftsführung der Neubrandenburger Arbeitsagentur sieht allerdings keine Trendwende, sondern saisonale Effekte für die leichte Entspannung am Arbeitsmarkt. Hauptursache sei nach wie vor der Mangel an Arbeitsplätzen in der Region.
Leider musste das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung für den Müritzkreis 2005 feststellen, dass 85 Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Das bedeutet eine Zunahme von 51,8% zum Jahre 2004.Immerhin stehen hinter diesen Insolvenzen Forderungen der Gläubiger von 19,676 Millionen Euro! Besonders tragisch ist es, wenn Gläubiger durch die Zahlungsunfähigkeit insolventer Unternehmen selbst in die Insolvenz getrieben werden. Hier muss an die unternehmerische Verantwortung appelliert werden, sich rechtzeitig bei Gefahr im Verzug einer kompetenten Beratung zu bedienen. Landesweit gingen die Insolvenzen allerdings um 8% zurück. Trotzdem waren insgesamt noch 948 Firmen und 3073 Arbeitnehmer betroffen. Der Schuldenberg beläuft sich auf sage und schreibe 434 Millionen Euro. Betroffen von Insolvenzen war vor allem der Dienstleistungsbereich beim Handel, in der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchsgütern. Andererseits hat es im Landkreis Müritz seit 10 Jahren einen stetigen Anstieg von Firmengründungen gegeben. Insgesamt wurden 2005 immerhin 3161 Firmen gezählt. Den Löwenanteil hält dabei der Dienstleistungssektor mit 1359 Firmen. Auch der Handel hat offensichtlich das Schwächejahr 1998 überwunden und schlägt nunmehr wieder mit 1022 Betrieben zu Buche.
Ob die Ritter der sagenhaften Artusrunde Anhänger der Slow-Food-Bewegung waren, ist nicht überliefert. Ob ihrer sonstigen Aufgaben ist es zu vermuten. Jedenfalls gibt es im Müritzkreis eine Tafelrunde, die sich den Gepflogenheiten dieser in der heutigen schnelllebigen Zeit eher selten anzutreffenden Bewegung verschrieben hat. Neben der gepflegten Atmosphäre eines unterhaltsamen Mahls geht es den Initiatoren vor allem auch um die Vermarktung regionaler und frischer Produkte. So gibt das Schlosshotel Gutshaus Ludorf an der Müritz für das erste mecklenburgische sogenannte Slow-Food-Convivium den würdigen Rahmen ab. Hauptdarsteller sind allerdings die regionalen Produkte, bei denen es auf Eigengeschmack, Ökologie und Herstellung ankommt. So wurde u.a. beim ersten Convivium feines Maränenfilet auf Graupen-Widkräuter-Risotto serviert. Im Zeitalter von Fast-Food eine Idee, die wohl auch am heimischen Tisch wieder mehr Einzug halten sollte.
In der Kreisstadt Waren (Müritz) konnte pünktlich zu Pfingsten der historische Teil des ehemaligen Müritz-Museums in neuem Gewand von den Besuchern in Augenschein genommen werden. Hauptthemen der unteren Ausstellungsräume sind das Sammeln und Forschen des naturkundlichen Bereichs Norddeutschlands. Aber auch der Entwicklung des Museums selbst in seiner Einzigartigkeit zahlreicher Exponate ist ein Thema gewidmet. Zum bereits jetzt begehbaren Teil gehören auch der Museumsgarten und das Aquarium mit den dem Einblick in die heimische Unterwasserwelt. Der eigentliche „Star“ des Komplexes „Müritzeum“, der Neubau am Herrensee, lässt allerdings noch etwas auf sich warten. Also, warum nicht wieder einmal ins Museum, pardon: ins Müritzeum?
Die Deutsche Bahn AG scheint nun doch die Bedeutung der Müritz-Region zu erkennen, was auf Fortsetzung weiser Entschlüsse bezüglich Bahnhof und Haltepunkt hoffen lässt. Anlässlich der Müritz-Sail wurde nämlich ein ICE auf den Namen „Waren (Müritz)“ getauft. Da der ICE im gesamten Streckennetz der Deutschen Bahn AG eingesetzt wird, wird auch der Bekanntheitsgrad der Müritzregion im Bundesgebiet erhöht.
Nach der Winterpause hat für die Berber-Affen und die Besucher die Saison begonnen. Obwohl der Winter ziemlich lang und frostig war, haben ihn die Affen gut überstanden. Immerhin 32 Affen leben in dem Freigehege. Dass sie alljährlich mit Nachwuchs aufwarten zeigt, dass sie sich hier wohlfühlen. Besonders Familien ist ein Besuch zu empfehlen, da man auch sehr gut soziales Verhalten bei „Berbers“ beobachten kann. Selbstverständlich sollten die Hinweisschilder genau befolgt werden, um ein ungetrübtes Erlebnis zu haben.
Obwohl die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern keine Wunder vollbringen kann, ist sie oftmals die letzte finanzielle Hoffnung für Existenzgründer oder Betriebsinhaber, die dringend einen Kredit benötigen.Wie der Geschäftsführer der Bürgschaftsbank, Thomas Drews, unlängst ausführte, seien die Kreditbedingungen für Interessenten im Nordosten besonders problematisch. Nach wie vor bewilligen die Geldinstitute äußerst restriktiv Kredite an kleine und mittlere Unternehmen. Hauptgrund dafür sei die allgemeine Strukturschwäche des Landes. Daraus resultiert wiederum das überhöhte Risikoverhalten der Banken. Deshalb wurde in MV die Bürgschaftsbank geschaffen. Diese hat immerhin 1800 Ausfallbürgschaften übernommen und ist an etwa 150 Betrieben beteiligt, mit Summen zwischen 50000 und einer Million Euro. Allerdings musste die Bürgschaftsbank im Jahre 2005 mit 18,3 Millionen Euro auch für Zahlungsunfähigkeiten gerade stehen. Das sind beachtliche 45 Prozent des Möglichen. Somit sind natürlich auch der Bürgschaftsbank letztlich Grenzen gesetzt.
Rechtzeitig zum 15. Jahrestag gibt die Europäische Akademie MV in Waren (Müritz) die Broschüre heraus „Mecklenburgische Metallwarenfabrik MEMEFA in Waren (Müritz) 1936-1945“. Dank der fleißigen und engagierten Arbeit eines Autorenteams wurde exemplarisch am Werdegang der Memefa aufgezeigt, wie aus dem an sich löblichen Ansinnen der Industrieansiedlung sehr schnell und gezielt die Einbeziehung in die kriegsvorbereitende Produktion bis hin zum menschenverachtenden faschistischen Terrorregime wurde. Zu beziehen ist die Broschüre über die Europäische Akademie Mecklenburg-Vorpommern , Am Eldenholz 23, 17192 Waren (Müritz). Telefon: (03991) 122428.
Da die bisherige Förderung der Ich-AG ab Ende Juni 2006 entfällt, haben sich nunmehr die Regierungsparteien im Bundestag auf einen Kompromiss geeinigt: den Gründerzuschuss. Allerdings muss das entsprechende Gesetz noch durch den Bundesrat, welcher frühesten Anfang Juli tagen wird. Folgendes ist nach jetzigem Stand vorgesehen: - der Gründerzuschuss läuft bis zu 15 Monate und besteht in der ersten Phase aus einem Zuschuss pauschal von 300 Euro monatlich plus dem Arbeitslosengeld. Dieser Leistungsanspruch besteht 9 Monate. Dann muss der Gründer die Geschäftsfähigkeit und die Tragfähigkeit seines Unternehmens bei der Agentur für Arbeit nachweisen - bei positiver Einschätzung kann sich die zweite Phase anschließen : für weitere 6 Monate gibt es einen Zuschuss in Höhe von ebenfalls 300 Euro pro Monat. Voraussetzung für die Förderung ist, dass ein Anspruch auf mindestens noch 3 Monate Arbeitslosengeld 1 besteht.
Im Rahmen der Initiative „einfach anfangen“ der Wirtschaftsförderung des Landes werden mit dem e Commerce Award M-V erstmals 2006 neue Geschäftsideen und geplante Geschäftserweiterungen gefördert. Kriterium: Es werden die Chancen des überregionalen bis weltweiten Handels über das Internet genutzt. Dabei kann das Electronik Commerce Center M-V (ECCOM) bei der Entwicklung der Geschäftsidee Unterstützung geben.

1. Preis: 20.000 Euro
2. Preis: 15.000 Euro
3. Preis: 10.000 Euro

Anmeldeschluss ist der 22. 09. 2006. Bedingungen und weitere Informationen: www.einfachanfangen.de/info/e_commerce/index.html
 
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