Projektnummer 15
Thema Wasser in der Landschaft
Digitale Darstellung von Landschaften und ihre Veränderung
Träger Landschaftspflegeverband „Mecklenburger Endmoräne“ e.V.
Herr Bormann
Dorfstraße 33
17192 Kargow

Telefon: 03991-66 97 62
Fax: 03991-67 00 47
E-Mail: lpv-kargow@t-online.de
Ausgangssituation
Der Landschaftspflegeverband widmet sich seit Jahren dem Schutz und Erhalt der für das norddeutsche Tiefland so typischen Kleingewässer als Relikte der letzten Eiszeit.
Über das Leader II-Programm wurde ein großer Teil der Sölle im Müritzkreis (ca. 3900 Stück) kartiert. Nach Abwägung des Handlungsbedarfes wurden anschließend ausgewählte Sölle renaturiert. Dabei wurde festgestellt, dass hier langfristig ein enormer Arbeitsbedarf besteht.
Das aktuelle Projekt widmet sich dem Gesamtbegriff „Gewässer“ und betrifft somit neben Söllen auch Seen, Feuchtgebiete und fließende Gewässer. Neben den unter „Projektinhalt“ beschriebenen Wirkungen für Land-, Forstwirtschaft und Naturschutz wird auch der Öffentlichkeit ins Blickfeld geführt, welche z.T. dramatischen Veränderungen sich in der Landschaft vollzogen haben.
Letztlich sollen theoretische Grundlagen geschaffen werden, die eine möglichst optimale Landnutzung nach betriebswirtschaftlichen und ökologischen Aspekten entwickeln. Das heißt, dass EU-Agrarpolitik (und damit verbundene Fördergelder) nicht irgendwie, sondern möglichst nachhaltig vor Ort umgesetzt wird.
Projektstatus
Das Projekt wird umgesetzt.
Fördermitteleinsatz

X

Beantragt

X

Bewilligt

X

Begonnen

X

Beendet

Projektinhalt
Der Landschaftspflegeverband widmet sich seit Jahren dem Schutz und Erhalt der für das norddeutsche Tiefland so typischen Kleingewässer als Relikte der letzten Eiszeit. Das aktuelle Projekt widmet sich dem Gesamtbegriff „Gewässer“ und betrifft somit neben Söllen auch Seen, Feuchtgebiete und fließende Gewässer. Neben den im Folgenden beschriebenen Wirkungen für Land-, Forstwirtschaft und Naturschutz wird auch der Öffentlichkeit ins Blickfeld geführt, welche z.T. dramatischen Veränderungen sich in der Landschaft vollzogen haben.
Durch die großflächigen Kartierungsarbeiten (ca. 3900 Kleingewässer kartiert) hat sich der Landschaftspflegeverband quasi zum Kompetenzträger für die Erfassung und Renaturierung von Kleingewässern qualifiziert. Das hiermit beantragte Projekt baut auf die gewonnenen Daten und auch Erfahrungen auf – es beinhaltet eine räumliche Ausdehnung der Kartierungsarbeiten und Landschaftspflegemaßnahmen sowie eine inhaltliche Erweiterung auf den gesamten Komplex „Wasser in der Landschaft“ und erweitert den Kreis potentieller Nutznießer auf Land- und Forstwirtschaft, sowie auf Erholung und Tourismus.

Veränderungen in der Landschaft über längere Zeit zu dokumentieren stellt die Voraussetzung für zielgerichteten Naturschutz, Landschaftspflege und -entwicklung sowie eine umweltschonende Bewirtschaftung dar. Nur so gelingt es, Ziele für die Arbeit in der Landschaft durch Landschaftspflegeverbände und örtliche Wirtschafter in Land- und Forstwirtschaft zu definieren. Die so auf historischen Analysen basierenden Aussagen stellen gleichzeitig eine Basis für die Entwicklung touristischer Angebote dar.

Das Projekt „Wasser in der Landschaft“ beschäftigt sich in Phase I mit der Analyse der Landschaftsveränderungen seit Beginn des letzten Jahrhunderts, wobei neben historischem Kartenwerk vor allem auch die seit 1939 in regelmäßigen Abständen verfügbaren Luftbilder einer photogrammetrischen Detailanalyse unterzogen werden. Mittels Definition von landschaftsbeschreibenden Indizes (z.B. Gewässeranzahl, Diversität, Vernetzungsgrad, Randgestaltung) wird für jeden Luftbildjahrgang eine Landschaftsbewertung durchgeführt. Die zeitliche Abfolge dieser Bewertungen zeigt neben den direkten Auswirkungen der Landnutzung (Bodenreform, Melioration) auch die Verluste an „Landschaftswerten“ (z.B. Gewässer) und Flächen.

Ausgehend von den erfassten Basisdaten und den in der Region vorhandenen Monitoringdaten erfolgt im Anschluss die Zieldefinition eines idealtypischen „Landschaftsbildes“ als Synthese historischer Landnutzungsformen und moderner Landschaftsansichten, die den geänderten Umwelt- und Nutzungsbedingungen gerecht werden. Diese Zieldefinition bietet eine Basis für:
  1. Eine Vernetzung der nutzerübergreifenden, sachlich basierenden Diskussion um die Landschaftsentwicklung mit den Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Basis und moderner Konfliktlösungsverfahren (z.B. Mediation),
  2. Einsatz von Precision-Farming und –forestry-Technologien zur Erhöhung der Effektivität der Land- und Forstwirtschaft bei gleichzeitig nachhaltiger Nutzung und zielgerichteter Landschaftsentwicklung zu einem gemeinsamen Ziel sowie konkreten Kontrollmechanismen,
  3. den Wiederaufbau und die Reaktivierung von Vernetzungsstrukturen,
  4. die konkrete, abrechenbare und zielgerichtete und damit auch langfristige Arbeit der Landschaftspflegeverbände auf der Basis der historischen Analysen und aktuellen Monitoringdaten,
  5. den Aufbau einer GIS-Datenbank, die alle naturschutzrelevanten Informationen, besonders im Hinblick auf die Schnittstellen mit den landwirtschaftlichen Nutzungen, den Beteiligten/Betroffenen nutzbar macht,
  6. eine landschaftsschonende Entwicklung von Tourismus und Erholung unter Erhalt des typischen, gewässerreichen Landschaftsbildes der Region und weiterer Landschaftswerte.

Nach den hauptsächlich photogrammetrisch-analytischen Basisarbeiten und historischen Recherchen für das gesamte Gebiet sowie dem Modellansatz und der intensiven Arbeit mit den unterschiedlichen Interessengruppen zur Definition erster Ziele in Phase I knüpft die zeitversetzt beginnende Phase II mit praktischen Maßnahmen an. Durch parallel verlaufende Kartierungsarbeiten (Vegetation, Ausmaß Flächenerosion, morphologische Besonderheiten) im Gelände zur Verifikation der Luftbilddaten und zur Massenerfassung werden die Voraussetzungen für durchzuführende Renaturierungs- und Sanierungsmaßnahmen geschaffen. Für ausgewählte Objekte sind konkrete Sanierungsarbeiten zu planen und deren Ausführung zu begleiten.

Phase III wird über Beschäftigungsprojekte und/oder die Einbindung von Landwirtschaftsbetrieben als Partner mit fachlicher Unterstützung durch die Fachhochschule Neubrandenburg gestaltet. Sie beinhaltet die Umsetzung der für ausgewählte Landschaftselemente (Sölle, Weiher, untergeordnete Fließgewässer) geplanten Sanierungsziele mit Hilfe eigener Technik. Begleitende Arbeiten zur touristischen Erschließung (Wanderwege, Beschilderungen u.a. Informationsquellen) in Verbindung mit Vorher-Nachher-Szenarien bringen einen Lerneffekt bei landschaftskundlich Interessierten und zeigen gerade an Kleingewässern die oft tiefgreifenden Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte. Beispielsweise seien hier der Rückbau von Verrohrungen ehemals natürlich mäandrierender Fließgewässer genannt, die jetzt plötzlich wieder in der Landschaft „erscheinen“.

Zwingend erforderlich ist die frühzeitige Einbindung und enge Kooperation mit regional zuständigen Behörden und Körperschaften (StAUN, LUNG, Wasser- und Bodenverbänden). Darüber hinaus wird die bewährte Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Neubrandenburg weitergeführt und als ein dritter Partner ein Ingenieurbüro eingebunden. Die Ergebnisse der einzelnen Projektphasen stellen außerdem für den Tourismusverband „Mecklenburgische Seenplatte“, der das Jahr 2004 programmatisch zum „Jahr des Wassers“ erklärt hat, eine Ergänzung zu dem Gesamtangebot „Gewässernutzungen“ dar.

Maßnahmen
Wie aus dem Antrag hervorgeht, ist für das geförderte Projekt eine Laufzeit von drei Jahren angesetzt, die sich allerdings mit Erhalt des Bewilligungsbescheides auf ein Jahr verkürzt hat. So werden im ersten Jahr in Phase I und II soweit möglich die Basisdaten erhoben bzw. aufgearbeitet und in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern diverse Applikationen für eine möglichst großen Markt erarbeitet. Eine Umsetzung in der III. Phase des Projektes wird durch aufzubauende Partnerschaften und/oder Förderprogramme des Landes und der EU zur Gewässersanierung.
Ziel der Projektphase 1 ist die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem für betriebswirtschaftliche Entscheidungen (wie z.B. Flächenstilllegungen) durch effektive Methoden Entscheidungshilfen erstellt werden können. Diese Methoden sollen effektiver sein als die bisherigen terrestrischen Aufnahmen und damit die Beschäftigungsbasis für zunächst einen Landschaftsplaner und später für weitere überregional tätige Landschaftsplaner/Agrarökonomen sichern. Der Leistungsgegenstand hierbei ist vor allem die Bewertung von agrar-ökonomischen sowie ökologischen Zusammenhängen aus digitalen Sensordaten mittels automatisierter Verfahren und fachspezifischer Bewertung.
Nach dem bisherigen Erkenntnisstand geht hervor, dass es für so geartete Serviceleistungen Interessenten auf den unterschiedlichsten Gebieten gibt (wie Stellungnahmen belegen).
Dazu zählt vor allem die Landwirtschaft. Als mögliche Applikation kann hier die Ausweisung von unrentablen Standorten innerhalb von Schlägen (Stichwort: „Schlaginterne Segregation“) gesehen werden. Durch Auswertung der Geodaten können Ungunststandorte (stark vernässte, trockene, periodisch überschwemmte, mechanisch verdichtete und sonstige Bereiche) innerhalb von großen Schlägen ausgegrenzt und so einer rentableren Bewirtschaftung, z.B. als Stilllegung, zugeführt werden.
Auch die Problematik der Eingriffs- und Ausgleichsregelung spielt zunehmend eine große Rolle. Vielfach haben Städte und Landkreise bereits Öko-Konten angelegt, um Gelder gezielt für z.B. Naturschutzmaßnahmen einzusetzen. Als mögliche Interessenten sind außerdem neben den Ämtern und (Bau-) Behörden des Landes auch z.B. die Wasser- und Bodenverbände zu nennen.
Die gewonnenen Basisdaten und Informationen zur regionalen Entwicklung der Landschaft stellen unter anderem einen umfassenden Grundstock für weiterführende Forschungsarbeiten dar, der auch z.B. von Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen gegen Endgeld genutzt werden kann.
Vorgehensweisen anderer Landschaftspflegeverbände im Land M-V lassen darauf schließen, dass ebenso die Aufstellung von Landschaftspflegeplänen eine effektive Möglichkeit für die Nachnutzung der erhobenen Daten bietet.
Projektstand
  1. Einstellung eines Mitarbeiters zur Gewinnung und Aufarbeitung historischer Luftbilder und Kartenmaterialien: Beschäftigung eines Absolventen (FH) für ein Jahr zur GIS-technischen Aufarbeitung von Altdaten und der Verschneidung mit neuem Datenmaterial
  2. Kosten für die einmalige Befliegung des Untersuchungsgebietes und Erstellung von Luftbildern mittels DMC-Technologie: Hierbei werden digitale Daten auf fünf Kanälen gewonnen, die eine Auswertung nach verschiedensten Kriterien (Vegetation, Wasserverhältnisse, Verdichtung, Reliefanalyse) erlauben. Weiterer Inhalt ist die wissenschaftliche und GIS-technische Betreuung incl. der Bereitstellung der dafür notwendigen Technik (Scanner, Datenspeichersysteme).
  3. Einkauf historischer Luftbilder und Karten: Diese Position beinhaltet die kostenpflichtige Beschaffung historischer Luftbilder für das Untersuchungsgebiet. Dabei muß von nicht flächendeckenden Luftbildjahrgängen ausgegangen werden. Die Jahrgänge ab 1937, 1945, 1953, 1986 sind beim LVermA bzw. Landeshauptarchiv Schwerin erhältlich. Natürlich wird auch auf kostenfrei einzusehende Exemplare von Behörden LUNG Güstrow zurückgegriffen.
  4. Beschaffung GIS-Workstation: Einkauf einer PC-Station, die mit GIS-Software bestückt ist und die Weiterverarbeitung der alten und neuen Datenbestände ermöglicht.
Projektpartner
In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Neubrandenburg, Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, wurde die Projektidee entwickelt, den Arbeitsbereich aus dem LEADER-II-Projekt auf den Gesamtbegriff der Gewässer zu erweitern. Aus der Vielzahl der im Projektverlauf gesammelten Daten hinsichtlich der Gestalt bzw. Qualität der Landschaftsausschnitte wird mit der Fachhochschule Neubrandenburg im Rahmen von Diplom- und/oder Forschungsarbeiten ein Leitbild erarbeitet, das ein „ideales“ Entwicklungsziel für einen abgegrenzten Naturraum darstellt. Bei der Variantenentwicklung sind die zuständigen Umweltbehörden aber auch die Landeigentümer und –nutzer einzubinden. Das beauftragte Ingenieurbüro führt umfangreiche Datenerfassung mittels digitaler Luftbilder durch. Diese Daten werden mit Hilfe von GIS-Software ausgewertet. Während der engen Zusammenarbeit mit der Fachhochschule werden sich weitere Untersuchungsgebiete herauskristallisieren, die durch studentische Arbeiten näher beleuchtet werden können (z.B. agrarökonomische Betrachtungen der Ausweisung von Ungunststandorten). Rückkopplungseffekte verbessern dabei die Qualität der Arbeit unseres Vereines.
In der Projektphase II, die vornehmlich der Umsetzung der erarbeiteten Entwicklungsziele dienen soll, ist die enge Einbindung eines Landwirtschaftsbetriebes abzusichern.

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