Projektnummer 44
Thema „Hörspielkirche®“ Federow
Teilprojekt Grundsanierung Hörspielkirche
Träger Kirchgemeinde St. Marien
Mühlenstr. 13
17192 Waren (Müritz)
Telefon:03991 / 61 37 - 0
0331- 70 464 70
Telefax: 03991 / 6137-12
E -Mail: service@stmarien.de
Internet: www.stmarien.de
Ausgangssituation
Die mittelalterliche Dorfkirche im Mecklenburgischen Federow aus dem 13. Jahrhundert ist die erste „Hörspielkirche“ in Deutschland. Das Projekt wird von der Kirchgemeinde St. Marien in Waren getragen.
Erste Überlegungen, ob die ungenutzte Kirche aus dem Vergessen erweckt werden könnte, sind zu einem detaillierten Sanierungskonzept gewachsen, das davon ausgeht, dass eine Nutzungserweiterung für den Kirchenraum den Erhalt der denkmalwürdigen mittelalterlichen Bausubstanz bewirken kann.

Die Ausgangsfrage musste daher lauten: Was bringt Menschen in den Kirchenraum zurück? Welche neue Aufgabe kann helfen, die Federower Kirche zu retten, ohne sie – wie durch ihre derzeitige dem Verfall überlassene „Nutzlosigkeit“ – ihrer ursprünglichen Funktion zu entfremden?
Das Projekt sieht vor, den traditionell dem Wort gegebenen Kirchenraum zeitgemäß zu interpretieren und die Kirche dem Hörspiel zu öffnen. Natürlich ist die „Hörspielkirche“ eine säkulare Erweiterung. Aber sie ist in Harmonie mit der spirituellen Bedeutung des Kirchengebäudes. Die Übereinstimmung besteht in der Konzentration auf das gesprochene Wort.

Die Kirchgemeinde St. Marien, Baukünstler und die Federower Bürger entwickelten mit Unterstützung des NDR und des RBB ein tragfähiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept. Das Konzept der Kirchgemeinde wird von der Ev. Luth. Landeskirche Mecklenburgs, dem Aufbauverlag, dem Berliner Hörbuchverlag DAV, dem Rundfunkbeauftragten der EKD, den ARD-Rundfunkanstalten, der Denkmalpflege, den Gemeindevertretern, dem Land und Landkreis sowie der Nationalparkverwaltung unterstützt.

Eine wichtige Voraussetzung für das Hörspiel war die technische Ausstattung der „Hörspielkirche“. Mit Unterstützung von LEADER+ konnten wir im Juli 2005 eine hochwertige Audioanlage kaufen, die die Akustik des Kirchenraumes berücksichtigt und den Besuchern ein Hörerlebnis garantiert. Die mobile Audio-Anlage ermöglicht die Bespielung des Kirchen- und des Außenraumes und ist für die speziellen Erfordernisse zusammengestellt. Das war der erste Schritt.
In Presse, Rundfunk und Fernsehen wurde von dem bislang einmaligen Vorhaben im Müritz-Nationalpark berichtet. Das kleine Dorf Federow liegt am Rande des Müritz-Nationalparks unweit des bekannten Urlaubsortes Waren. In den Sommermonaten halten sich viele Menschen in Federow auf. Im Jahr 2004 wurde der Müritz-Nationalpark von 700.000 Touristen besucht. Das ist das Fundament für den Hörspielbetrieb in der Federower Dorfkirche. Der Betrieb der „Hörspielkirche“ bietet die Chance einer nachfolgenden Sanierung und Rettung des Kirchenbaus.

Die Gestaltung des Hörspielprogramms ist der sensible Teil. Dabei sind die Ziele und Wünsche der Kirchgemeinde ebenso zu berücksichtigen, wie die Erfahrungen der ARD-Rundfunkanstalten und des Hörbuchverlages beim Aufführen von Hörspielen und der Geschmack der Zuhörer. Diese Interessenmischung zu definieren, war Aufgabe und Ziel der einmonatigen Probephase im August 2005.
Das Hörspielprogramm 2005 umfasste Hörspiele aller Genres für Kinder und Erwachsene.
Zu zwei festen Programmplätzen am Freitag, Sonnabend und Sonntag, jeweils am Nachmittag und Abend, wurden Kinder- und Erwachsenenhörspiele aufgeführt. Es wurde kein Eintrittsgeld erhoben. Spenden waren möglich. An den anderen Wochentagen und in der Zeit zwischen den festen Programmplätzen stand die Kirche den Besuchern offen. Es waren Musik- und Klangschleifen zu hören.

Zur Auftaktveranstaltung am 5. August 2005 las die Potsdamer Schriftstellerin Frau Helga Schütz aus Ihrem neuen Buch „Knietief im Paradies“ vor 150 Zuhörern. Am 21. August 2005 lud die Kirche zum ersten Gottesdienst ein.

Das NDR-Fernsehen, die Radiosender NDR-Kultur und NDR-Inforadio sowie die Tageszeitungen berichteten über den erfolgreichen Start der ersten Hörspielsaison und informierten die Urlauber und Einwohner im August regelmäßig über das Hörspielprogramm.
Es gab Hörspielfreunde, die von der Hörspielkirche gehört oder gelesen hatten und einen kurzen Wochenendausflug nach Federow machten. Die meisten Gäste waren Touristen aus Waren, Rechlin, Klink und dem Nationalpark. Das Besucherbuch zeigt die vielen Besuchereindrücke- und wünsche, die uns auffordern, die Idee von der Probephase zum Projekt zu führen. Neben den Freunden des Hörspiels gab es viele Besucher, die sich für den Erhalt der Kirche interessierten und für erste bauliche Sicherungen spendeten. Insofern ist die erste Hörspielsaison ein großer Erfolg. Die kleine Dorfkirche wurde aus dem Vergessensein herausgelöst. Sie wurde über die Grenzen Federows bekannt. Die über 1000 Besucher wissen von Ihrer neuen Zukunft als „Hörspielkirche“ und wünschen sich die Erneuerung ihrer äußeren und inneren Gestalt.
Die Finanzierung der Hüllensanierung bedeutet die denkmalgerechte, bauliche Rettung der Dorfkirche Federow. Dieser erste Bauabschnitt ist aber der wichtigste, weil er der gefährlichen Erosion der Substanz begegnet, das Denkmal konserviert und vorbereitet für die spätere Sanierung des Kircheninneren. Was aber mit der Probephase bereits gesichert ist, ist die Erkenntnis, dass die eingesetzten Fördergelder für die Hüllensanierung einem Denkmal gelten, das anschließend nicht wieder ungenutzt steht und das alte Schicksal des Vergessenseins und neuerlichen Verfalls hat. Es ist schon nach der Probephase bewiesen, dass die Dorfkirche Federow eine Zukunft als „Hörspielkirche“ hat.

Projektstatus
Das Projekt wurde erfolgreich umgesetzt
Fördermitteleinsatz

X

Beantragt

X

Bewilligt

X

Begonnen

X

Beendet

Projektinhalt
Nunmehr soll mit Unterstützung von LEADER+ im zweiten Schritt die Voraussetzungen zur Rettung des Kirchenbaus geschaffen werden. Es ist beabsichtigt bis zum Start der zweiten Hörspielsaison im Sommer 2006, die Hülle der mittelalterlichen Kirche zu sanieren.

Die erste Be- und Zustandsaufnahme der gefährdeten Bausubstanz ergab folgende Ergebnisse (Auszug):

Dachdeckung:
Alte Bieberschwanzdeckung weitgehend geschlossen erhalten; unterschiedlich große Ausbruch- und Fehlstellen am First, in der Fläche und im Anschluss zu den Giebelflächen; unbefriedigende und defekte Wasserführung;

Dachkonstruktion (Turm/Kirchenschiff / Chor):
Unterschiedlich starke Substanzschäden an den v.g. Holzkonstruktionen aufgrund der partiell intensiven Durchfeuchtungsschäden; Anschluß und Auflagebereiche (Mauerkrone, Sparrenfußpunkte, alle Balkenköpfe) beschädigt bzw. zerstört; angemorschte und zerstörte Bereiche an den Dachkonstruktionen; abgestürzte und defekte Bereiche; partiell unsachgemäß durchgeführte Veränderungsmaßnahmen; Fehlstellen; klaffende Holzverbindungen; Weißfäule; Holzschädlingsbefall in Teilbereichen feststellbar (vgl. dazu Fotodokumentation);

Mauerwerk:
Verlust des Verputzes, vorwiegend im unteren Fassadenbereich; Durchfeuchtungsschäden durch Aufwachsung des Geländes (Friedhof); mehrere z.T. große Mauerwerksausbrüche sowohl im Feldstein- als auch im Ziegelbereich; unsachgemäß ausgeführte Flick- und Ausbesserungsarbeiten mit zementhaltigen Putzmaterialien; mürbe und sandige Putzflächen; unterschiedlich lange, breite und tiefe Risse; schollen- und blasenartig aufstehende Mörtelflächen; mangelnde Verbindung der Putzlagen untereinander und zum Träger; Nachlassen der Bindung; an- und abgewitterte Steinoberflächen; Schäden durch Versalzungen, Absprengungen;

Türen; Fenster:
Risse unterschiedlicher Länge, Breite und Tiefe; klaffende und teilweise fehlende Holzverbindungen, unterschiedliche Substanzschäden aufgrund der schlechten bauphysikalischen Situation in Verbindung mit Feuchteschäden; Verformung einzelner Holzbereiche (Begleitbänder; Profilleisten); lose schollenartig aufstehende Anstrichschichten an der Eingangstür; Verlust der Turmtür; mechanische Beschädigungen;

Portal:
das ursprüngliche Eingangsportal ist heute zugemauert; das mittelalterliche Backsteingewände ist stark durch Witterung und unsachgemäße Maurerarbeiten geschädigt;

Mit Hilfe der LEADER+ Förderung (Hüllensanierung) werden wir bis Sommer 2006 das Dach, das Fundament und das Feldsteinmauerwerk sanieren können.
Maßnahmen
Maßnahmen des 1. Bauabschnitts (Hüllensanierung):

Dach:
Lehm beidseitig aufnehmen 2m Längsstreifen 8 cm dick, abtransportieren + neu; Deckenschalung aufnehmen und lagern; Firstpfette neu; Mauerlatten an beiden Giebeln neu; beide Giebel aufmauern; 1 Sparren neu; 2 Gebinde neu; Lastaufnahme der 2 Gebinde neu; alte Dachdeckung und Dachlatten aufnehmen und abtransportieren/lagern; Dachlatten neu, montieren; Dachdeckung (Denkmaldachziegel: Erlusbacher Kulturbiber, Creaton Sinterbiber) neu, eindecken; alle Schwellen aufnehmen und abtransportieren, neu Schwellen montieren; alle Deckenbalkenkopfe sanieren/neu; alle Sparrenfüße sanieren/neu; alle Aufschieblinge neu; Kupferdachrinnen und Kupferabdeckungen neu; Schornstein abtragen und entsorgen; Blitzableiter neu;

Türen, Fenster:
Westtüren unten: aufarbeiten, streichen; Westtür oben: Glastür neu; Portaltür neu, Holz, Verglasung; 4 Fenster neu, Farbverglasung; rundes Westgiebelfenster neu, Farbverglasung;

Vorbau unten:
Fußboden spachteln; Wände neu verputzen, Streichen mit Nachleuchtfarbe blau;

Vorbau oben:
Fußboden spachteln; Wände neu verputzen, Streichen mit Nachleuchtfarbe blau; neue Glocke + Seil; Glockenstuhl aufarbeiten/sanieren und gangbar machen; Glastür neu; 2 x hölzernes Brüstungsgeländer neu; Kupferdachdeckung und Kupferdachrinne neu; Dachschalung neu;

Außenmauern:
alter Außenputz nach Entwurfsplanung abschlagen und abtransportieren, Feldsteinmauerwerk neu mit Muschelkalk verfugen; Traufgesims neu und streichen; Westfassade Putz neu und streichen; Ostfassade nur Giebel Putz neu und streichen; Stützmauer sanieren und neu verfugen mit Muschelkalk, verbinden mit Mauerwerk, Kupfereindeckung; Rissvernadelung; Fensterfaschen reparieren und Streichen; Portal öffnen; 2 Ostgiebelfenster gotische Laibungen öffnen; Wandrisse vernadeln; Mauerwerk und Fundament sanieren; Sockel sanieren bis 60 cm;

Außenraum:
Aufwachsung des Geländes entfernen, Erdarbeiten Gelände, Entwässerung, Dränage, Sinkkästen, Traufpflaster;

Die ersten Sanierungsmaßnahme des 1. Bauabschnitts werden beitragen, die nächsten baulichen Aufgaben im Inneren beispielhaft vorzubereiten und weitere Förderer zu interessieren, die „Hörspielkirche“ denkmalgerecht zu sanieren sowie das Gesamtkonzept umzusetzen.
Projektstand
Die Umbauarbeiten ausgeführt. Jährlich wird in den Sommermonaten ein abwechslungsreiches Programm angeboten.
Projektpartner
Kirchengmeinde Sant Marien
Jens Franke (Potsdam)
Gemeinde Kargow

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